Von Ameisen und Elchen

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Etwas krabellte mir auf dem Ruecken herum, missmutig versuchte ich es wegzuwischen und weiterzuschlafen, kaum geschehen krabellte es am Bein. Nun war schluss, genervt fuhr ich in die Höhe, kroch aus meinem Schlafsack und erblickte eine fette Ameise, welche sich gerade ueber mein Bein hinweg in Richtung Körpermittelpunkt bewegte. Leicht panisch versuchte ich es auch hier mit der “Wischtechnik”. Dies veranlasste die Ameise jedoch nur lediglich dazu die Richtung zu ändern und zwar auf meine Oberschenkelrueckseite, hier setzte sie ihren Weg zum Körpermittelpunkt fort und biss mir anschliessend kräftig in den Hintern. Völlig bedient kletterte ich aus dem Zelt und stellte fest, dass ich im am Vorabend im zwielicht den Ameisenhaufen uebersehen haben musste, welcher sich direkt neben meinem Zelt befand. schnell wie nie waren die Sachen zusammengepackt und Ross und Reiter auf der Strasse. Nach ein paar Kilometern knackte es im Unterholz. Ich hielt an und kurz darauf entstand dieses Bild…

 

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Ich fuhr bis kurz vor Karlsborg und nahm dann kleine Nebenstrassen um vom Westufer des Vätternsees in Richtung Ostufer des Vännernsees zu gelangen. Der Himmel war wolkenlos und die Sonne brannte ohne Ruecksicht hernieder. Da war es durchaus von Vorteil das sich die Strecke hauptsächlich durch den Wald bewegte. die Landschaft die ich nun durchfuhr war der absolute Traum. Dichte Nadelwälder wechselten sich mit lichten birkenwäldern ab und dazwischen immer wieder tiefblaue, funkelnde Seen. Als ich meinen Blick einmal von dieser reizvollen Landschaft gen Himmel hob, hatte die Träumerei ein abruptes Ende. Ich erblickte Gewitterwolken von gigantischem Ausmass und ich fuhr direkt darauf zu. Am Vännernsee, so wusste ich wuerde ich die Richtung wieder ändern, so dass eine Chance bestand dem Unheil zu entfliehen. Ich erhöhte die Geschwindigkeit und trat was die Beine hergaben. Ich erreichte den Inlandsvägen am Ostufer des Vännernsees und bog links ab. Bedrohlich rueckte die Wolkenfront welche sich nun direkt ueber dem See befand in meine Richtung. Mein Glueck war, dass der lebhafte Wind aus suedlicher Richtung blies und mich somit vor sich herschob. Wenige Kilometer vor Kristianhamn war mein Akku leer, ich musste etwas essen und zwar schleunigst. Ich setzte mich auf eine Bank am Ufer des Sees und begann in windeseile Brötchen und Kekse in mich hinein zu stopfen. Es dauerte nicht lange, da gesellte sich ein Schwede zu mir der gerade mit seinem Kajak vom See kam. Er bot mir Kaffe an und erzählte mir, dass das Unwetter in Göteborg schon schwere Schäden angerichtet habe. Während am Horizont die Blitze zuckten und der Wind beständig zumahm, erzählten wir einander von unseren Vorhaben. Er, so berichtete er mir, wolle mit seinem Kajak weiter nach Mittelschweden und dort die Fluesse abfahren, dort gebe es sehr wenig Menschen und er hoffe dort einen Bären zu gesicht zu bekommen. Als das Wetter dann doch bedrohlich nahe kam verabschiedeten wir uns und ich machte mich von neuem auf die Flucht vor Blitz, Donner und Regen. Das Wetter schien mich vor sich herzutreiben und seinen Spass daran zu haben wie ich mir die Lunge aus dem Leib fuhr. Mit einem Mal, so hatte es den Anschein, hatte ich den Dämon abgeschuettelt. Ganz entfernt noch hörte ich das Grollen, aber von seinem Schrecken hatte das Ungetuem nahezu alles eingebuesst. Gemächlich rollte ich die letzten Kilometer bis nach Filipstad, meinem heutigen Etappenziel. 188 Kilometer verlangten nach einer gruendlichen Dusche und einem erholsamen Schlaf.

 

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